Sonntag, 22. Dezember 2024

monopoly in echt - wenn alle bemühungen doch nicht reichen

gehe zurück zum start und ziehe xxx ein.

es geht bei monopoly darum, möglichst viel besitz anzuhäufen und somit die einnahmen zu erhöhen. wer zuerst kein geld mehr hat, scheidet aus. wer bis zuletzt übrig bleibt, hat das spiel gewonnen. die strategie sollte sich also darauf ausrichten, was am profitabelsten ist.

shit happens

wir spielen monopoly - deluxe edition. das spielfeld ist aufgebaut. die ereigniskarten liegen in der mitte und die spielfiguren stehen am start. die bank wartet auf ihren betrieb. das spiel ist anstrengend, es kommt nie so richtig in gang. emotionen zwischen lustlosigkeit und tatendrang, nervenkitzel hängen in der luft. kurze pause, es gilt sich zu öffnen für neue visionen, ambitionen...

 s c h o c k   /   ich bin erschüttert

ein tross von menschen zu besuch. starre mienen der verkünder. es scheint ein besonderes spiel zu sein. hier geht es um etwas ernstes. bleiche und versteinerte gesichter, mulmige bäuche, ratlose und erschreckte spielfiguren. nach kurzer schmerzvoller verkündung ist klar: dies wird das letzte spiel hier in reutlingen werden. taschentuchboxen tauchen auf und werden helfend hingehalten. jemand hat wohl mitgedacht. wie kann man sowas überhaupt menschenwürdig und taktvoll über die bühne bringen?

manche mitspieler können das unglaubliche bereits in worte fassen und in zusammenhänge bringen. zum glück ergreifen sie das wort - obwohl das für mich die schleusen der tränen weit öffnet. sie formulieren einen dankbaren rückblick und erkennen den kampf unseres chefs in der jüngsten vergangenheit. andere sorgen sich weniger um sich selbst als um das gebäude mitten am marktplatz im städtchen. was wird aus den vielen geschichten passieren, die sich hier abgespielt haben. es verschwinden die menschen, die sie erzählen können in allen himmelsrichtungen. die geschichten von partnerschaften, die sich dort gebildet haben, von harter arbeit, von festen und von traditionen, von all den menschen, die dieses haus jemals mit leben gefüllt haben. wer kann diesen raum wieder mit leben füllen, sie wie wir es mit leben gefüllt haben? diplomatische belanglosigkeiten der obrigkeit geben keine konkrete auskunft. 

die monopoly-bank öffnet wie gehabt um 10 uhr die türen und das spiel soll wie gewohnt über die bühne gehen. nicht mal eine stunde um sich zu sammeln. ein auf menschen gebautes system vergisst genau diese menschen. keiner will würfeln...aber das spiel muss weitergehen!

konkreteres kommt dann in der zeitung, die pressemitteilung gibt einen etwas besseren aufschluss. und stürzt eine ganze stadt in eine sinnkrise.

erste offizielle beileidsbekundungen aus dem umfeld. "zunächst sind unsere gedanken bei den 128 mitarbeitern, die von der schließung unmittelbar betroffen sind" 

plötzlicher tod...aus dem leben gerissen.... es ist jede menge zeit, und auch wieder keine zeit, sich damit abzufinden. die würfel rollen unaufhaltsam weiter.

l e u g n u n g / a b l e h n u n g   /    ich kann das nicht glauben!

die tage nach der unheilvollen botschaft waren gedämpft, alles war im nebel, ich war wie betäubt, wie ruhig gestellt. das kann nicht sein! das ist ein schlechter scherz! 

es wird bestandsaufnahme gemacht, was es zu vererben gibt. ich will gar nicht hingehen zur testamentsverkündung, denn dann muss ich es akzeptieren. 

noch mehr beileidsbekundungen. mit dieser schrecklichen botschaft fallen menschen ein und bekunden ihr mitgefühl. mit jedem weiteren gespräch ist man zurückgeworfen auf das elend, das aus. und das täglich und mehrfach. viel schlimmer sind die sensationslustigen mitmenschen, die etwas abgreifen wollen. informationen bestätigt haben wollen. ihre eigenen ängste und sorgen besprechen wollen, weil ihre versorgung ebenso eingeschränkt werden wird. wieder und wieder muss man durchkauen, was man schon viele male davor gesagt hat und sagen musste. und dabei professionell zu bleiben blieb noch die größte herausforderung.

z o r n   /   ich bin wütend

wütend bin ich darüber, dass wir doch alles gegeben haben und es doch nicht reichen sollte. trotz kommt auf. "breuninger ist für mich gestorben"  wut bahnt sich ihren weg aus dem bauch heraus. was für eine scheiße! 

d e p r e s s i o n   /   ich bin lustlos

der anfang vom ende. wie mit einer schweren bleiweste beladen gehe ich durch den arbeitsalltag. vieles hinterfrage ich anders, sehe es mittlerweile zwecklos oder sinnfrei und tue es in alter manier doch weiterhin. denn trotzdem läuft die maschinerie wie eh und je weiter. zu den basics kommen neue - schließungsnahe arbeiten - dazu. ich mache meine arbeit nur noch für meine mitspieler, nicht mehr für das spiel. anders würde ich mit dem druck nicht klarkommen.

vergossene tränen am "grab". tag für tag müssen wir an unser grab zurückkehren. mit dem leid und dem ende zurechtkommen. immer neue ereigniskarten spuckt das spiel aus. ich komme mit dem verarbeiten nur schwer hinterher.

v e r h a n d e l n    /   ich bin es mir wert

mit mehr informationen lässt sich auch mehr verhandeln. in umlauf gebrachte fakten geben scheinbaren handlungsspielraum. konkrete erwägungen können gemacht werden. scheinbare großzügigkeiten sollen den weg angenehmer machen. nichts desto trotz steht da ja jetzt niemand und sagt, wo es lang geht. ich  rechne mir aus, was der wert der arbeit der letzten jahre ist. die bank verhandelt hart. ich verhandele mit mir selbst, was das alles für einen wert hat oder haben soll oder hatte. fühle mich wie ein klotz am bein, lästig, nicht mehr gebraucht. die fakten stehen im raum und erreichen doch nicht meinen verstand.  

z u s t i m m u n g / a n n a h m e    /    ich kann es nachvollziehen

nachdem der oder die vermeintlich schuldigen ausgemacht sind, kommen vernünftige gründe hoch: unternehmerisch ist das eine nachvollziehbare entscheidung. lange haben wir schon den kampf ums bestehen gekämpft. er gehörte schon zu unserem alltag. diejenigen, die ihn nicht mehr kämpfen konnten sind nicht mehr da. die übrigen kämpfer sind meist vollprofis in fleisch und blut. aber seit einiger zeit ächzen und knirschten auch sie unter der last und den immer weiter steigenden anforderungen.

in der monopolywelt spitz es sich zu. ich habe mit meinem setting keine chance. kann nur noch zusehen, wie ich in richtung bankrott schlittere. es zeichnet sich ein sieger ab - und das wird keiner der anderen spielfiguren sein. dazwischen immer wieder untereinander die frage: und wie ist dein plan? ich habe mich diesen gesprächen entzogen, sie zu vermeiden versucht. 

 

l e i c h e n s c h a u     /     das schmutzige kommt ans licht

die aufbahrung ist vollzogen, der sargdeckel ist nicht geschlossen. und man bekommt einiges zu sehen. in diesem ausmaß gänzlich unerwartet kommen riesige menschenmassen. man ist darauf nicht vorbereitet. es muss platz geschaffen werden, damit jeder seinen raum an der kasse bekommt. die meisten sind geduldig und warten beharrlich in der schlange. sie drängeln nicht, warten einfach nur ab, bis sie an der reihe sind. es spielen sich aber auch dramen ab. da sind menschen, die ihre manieren vergessen und sich benehmen wie im schweinestall. achtlos liegengelassene essensreste kommen vielerorts zum vorschein. geld- und raffgier setzt allgemein gültige regeln aus. spuren von manipulation überall. versteckt und doch deutlich zu erkennen dieses erschleichen im großen stil. dies zieht sich über wochen. ich bin entsetzt, enttäuscht und resigniere nur noch. ein letzter hilferuf bringt unterstützung ins spiel, die bank gewährt einen kredit. der wahre sieger aber zählt sein geld, das täglich in die kasse gespült wird. es bleibt nichts anderes als es hinzunehmen. "seht nur vor euch und arbeitet dort. wenn man nach oben schaut, wird einem schwindelig." tränenausbrüche, wenn es mal wieder nicht mehr geht. aufgesetzte fröhlich-freundliche gesichtsmasken, dahinter trauer, null-bock und enttäuschung. die wochen bis zur endgültigen beisetzung ziehen sich unendlich. die gedanken alles hinzuschmeissen sind nicht abwegig.

b e i s e t z u n g    /      es ist eine große beerdigung gewesen, viele menschen wollten noch profitieren. ein letzter zug in diesem letztel spiel. mit großem tusch gibt es eine latenight-beerdigung. man muss ja mitnehmen, was geht. bis zum schluss. wer braucht das jetzt noch?

l e i c h e n s c h m a u ß   /   geschlossene gesellschaft

dunkel gekleidete kollegen sitzen um den tisch im aufenthaltsraum. müde gesichter können das chaos der schnäppchenjäger nicht fassen. resignation. fassungslosigkeit. der tisch steht voll mitgebrachter kuchen. für das leibliche wohl ist gesorgt, die seelen hängen durch.

n a c h r u f     /     ich lasse los und nehme abschied. 

ich muss keine hoffnung mehr vermitteln. ich will sie selbst nicht mehr haben müssen. schon gar nicht mehr mit worten suchen müssen. eine enorme befreiung für mich.

nur: es ist kein spiel. wir können es nicht zurück in die schachtel packen, im schrank aufräumen und an einem anderen tag neu starten. es ist das echte leben. 

shit happend







Sonntag, 10. November 2024

auf der suche nach nebel - ein sonntagsabenteuer im herbst

beim frühstück blicken wir auf eine malerisch mit nebel verhangene streuobstwiese. wunderschön anzusehen während wir drinnen sitzen und ofenwarme brezeln vom bäcker genießen dürfen.

"was mach‘ mer heut‘?

wir suchen den ort, an dem wir die köpfe über den nebel hinaus in die sonne strecken können. wir erwarten hunger. durst. kälte. aber wir gehen vorbereitet los. 

auf der fahrt mit dem auto verschluckt der nebel die graue, triste bemalung am straßenrand. trotzig leuchten die übrigen farben hervor. das habe ich vermisst. tag um tag und woche um woche warte ich auf das faszinierende szenario, wenn sich die baumreihen an der landstraße in richtung stadt herbstlich grell einfärben.  

 

 

vom parkplatz aus sieht es weit aus bis zu unserem ziel - dem schönbergturm. frust kommt auf, denn hier gibt es keinen nebel mehr und die sonne scheint am wolkenlos blauen himmel. 

 

 

 

trotzdem gehen wir los. der weg ändert sich ständig und ist länger als wir es uns ausgemalt hatten. die zufahrt liegt schon in der winterruhe. jeder übernimmt mal die führung und gibt das tempo vor. mal übernimmt die träumende, mal der mit der besten orientierung, mal kommt das ganze ins stocken, weil die puste ausgeht. der weg wird breiter. 

 

„warum läufst du im bachbett?“ 

„weil ich es kann!“ 

 

 

auf unserer suche nach nebel haben wir zunächst die sonne gefunden. 

wir finden matsch. 

blätter. 

pilzdörfer. 

die kinder schlürfen durch laubhaufen. sie rütteln an jungen und noch elatischen bäumen und versuchen die blätter in der luft aufzufangen. ganz verstohlen freuen sie sich doch, obwohl sie anfangs enttäuscht waren.


 

 

mit den gleichförmigen und automatisierten schritten strömen die worte in meinen kopf. es sprudelt so heftig, dass ich sie gleich festhalten muss, weil ich angst habe ich kann mir so viel auf einmal nicht merken. beim laufen stelle ich mir vor, wie ronja räubertochter im wald des mittelalters herumgestreunert sein mag. wo sonne und mond die tage geregelt hatten. wo es „nur“ ums leben ging. wo der sonnenuntergang das herannahende ende des tages markierte und man nur noch mit kerzenschein eine verlängerung herausschinden konnte. wo die zeit nicht nach minuten und sekunden exakt eingeteilt war. und die dinge so viel zeit gebraucht hatten, wie sie es brauchten. wo die natur den jahreszeitlichen speiseplan vorgab und keine dubai schokolade viral ging. nachrichten verbreiteten sich sehr langsam, krieg und frieden waren nicht so nah, wie sie heutzutage sind - auch wenn sie weit weg auf anderen kontinenten stattfinden.  sicherlich war es ein beschwerliches leben. man musste einiges entbehren. aber durch meine romantische träumerbrille gefällt mir das einfache leben von damals.

ich will keine hoffnung haben müssen, suchen müssen, mit worten erfinden müssen. zuckergoscherl@instagram

 

 

 

von unserem sonneturm können wir ihn sehen. nebel. als ob er gewusst hätte, dass wir ihn suchen, können wir hier oben eine beeindruckendes naturschauspiel beobachten. der neben steigt langsam aber sichtbar höher. die hoffnung, unser am morgen gestecktes ziel zu erreichen erwacht wieder. wir warten. und am ende werden wir belohnt. 

mit nebel.


Freitag, 13. September 2024

what a view

nur wer versteht, 

dass jede jahreszeit vergeht,

dass sie immer wiederkehrt,

doch nie dieselbe ist

und dass dies das jahr so berauschend vielseitig stimmt,

uns sicherheit schenkt und doch wieder aufs neue überrascht,

nur der weiß tief im inneren, 

dass veränderung der sinn des lebens ist.

clara lavise

unser haus hat eine wunderschöne aussicht aus allen fenstern heraus. 

zu besuch bei uns freuen sich die nachbarn an den fenstern stehend über die veränderte perspektive auf ihre eigenen häuser. umgekehrt liebe ich es unser haus aus deren sichtweise zu betrachten. manchmal nehme ich die volle schönheit der umgebung gar nicht mehr wahr. da ist der ausblick nur unscharf am rande meines sichtfeldes, weil ich auf das geschehen im inneren focussiert bin.

das schöne sind die übergangszeiten von tag und nacht oder umgekehrt. wenn die sonne schräg steht und mit gegenlicht und schatten spielt und die eigentlich ewig gleichen ausschnitte in nuancen verändert. man muss nur aufpassen und die momente rechtzeitig erwischen. 

die späten stunden, wenn die abendsonne schräg auf die blumen strahlt und sie in besonderes licht taucht. die frühen stunden, wenn die vögel noch ungestört und mutig über unseren rasen hüpfen und sich was zum picken suchen, oder die schnecken noch unterwegs sind....

 


die ausschnitte ändern sich nicht nur mit den tageszeiten, sondern auch mit den jahreszeiten. rot leuchtende äpfel an den bäumen der streuobstwiese, die farbigen blätter im herbst, hortensien in der sommersonne und ausgedörrt mit schneemütze im winter, der sonnenuntergang gegenüber, hinter dem nachbarshaus - jeden abend sieht es anders aus. 


 

am schönsten finde ich das aufziehen des sommers und seinen abgang und natürlich seine hauptsaison, weil da bei offenen türen und fenstern die passende geräuschkulisse zu den bildern hereindringen kann. vogelgezwitscher, grillen zirpen, spielende und lachende kinderstimmen, ja auch rasenmähermotoren gehören dazu. 

und dieses jahr staune ich besonders darüber, dass das immer wiederkehrende jedes mal aufs neue so schön werden kann.





Sonntag, 8. September 2024

sommer 2024 - das haben wir uns verdient

himbeergeschmack im mund beim abendlichen gießen im heimischen garten

eine dusche aus dem gesammelten regenwasser der markise machen und im dunkeln noch in den pool steigen, weil das wasser von der hitze des tages wärmer ist als die lufttemperatur

sonnenuntergänge mit der kamera jagen - und seifenblasenbilder knipsen

eis essen im hof nach einem heißen sonnentag und pläne schmieden für den nächsten

spontane ideen einfach gleich umsetzen

manchmal viel programm und manchmal gar keins

freibad bis zur letzten minute und dann auf dem parkplatz noch die mitgebrachten snacks ratzeputz aufessen. 

tingeln und trödeln bis zum sonnenuntergang

adrenalinschübe im freizeitpark: "ich konnte nicht schreien, meine gefühle sind weggeweht."

eine simple fahhrradtour in den wald, die mit regen begann und ungeplant in der dunkelheit endete.

unsere tage im sommer waren voller mango- und zitronenlimonade, knusperteller, kuchen und shakes

ungewöhnlich ausgelassene und aktive tiere im tierpark beobachten dürfen

sommerferienbingo mit kleinen challenges mühelos komplett erledigt

urlaub im ausland mit etwas kürzerem rocksaum und hosenlängen und sich selbst überlassenem, zerzaustem haar

spontan neue rezepte ausprobieren

einen versteckten malerischen see entdecken 

unsere zufriedenen gesichter auf selfies festhalten

ganz viel boot fahren und im großen see baden

ein bisschen kunst, ein bisschen kultur

glücklich im bett liegen wegen der schönen erlebnisse

 
die traurigen ereignisse in diesen schönen wochen dazugehören lassen 
 
adieu

Mittwoch, 24. Juli 2024

die ersten und die letzten male - und all das dazwischen



 

ab einem bestimmten alter vergeht die zeit gefühlt schneller, weil man viele dinge nicht mehr zum ersten mal macht. routine und flüssiges aneinanderreihen von lapidaren ereignissen schlucken die zeit. 

mit den kindern feiern wir von anbeginn die wichtigsten meilensteine. das erste richtige essen, der erste schritt, das erste wort, die letzte windel, erster tag im kindi. wir arbeiten darauf hin oder erfahren zufällig den moment des durchbruchs. bei allem tun muss ich denken: war das nun schon das letzte mal? manches heiß ersehnt (durchschlafen) und manches zufällig und überrascht erlebt. wir unterstützen mit helfenden aufgaben und bleiben am ball mit üben, üben, üben. später kommen weniger großartige errungenschaften dazu, dennoch prägen sie und erweitern den horizont. sie vergrößern den handlungsradius und formen die kinder zu menschen, die sie werden sollen. sie passieren oft nebenbei und werden nicht mehr so sehr gefeiert. sie gehen fast in der geschwindigkeit des alltags unter und ich muss mir diese leisen meilensteine bewußt ausgraben. das erste mal das dörfchen verlassen und mit dem bus in die stadt fahren, das erste mal mit dem fahrrad am straßenverkehr teilnehmen. das erste mal alleine im urlaub zum supermarkt gehen, der erste richtige bh ...

die ersten und die letzten male sind durchwoben mit der zeit mit den kindern, auch für mich. das erste mal bei der oma übernachten, einkaufen ohne kinder, essen gehen mit dem liebsten und die gedanken an die kinder abstreifen...

das erste mal etwas neues bedeutet im umkehrschluss, dass es ein letztes mal gegeben hat. das letzte mal zur dorfschule laufen, das letzte mal hilfe benötigen bei einer aufgabe, das letzte mal abhängig sein von mir...

 

die ersten und die letzten male durchleben wir alle immer wieder im leben. ich erinnere mich deutlich an meine zeit im aussendienst und die scheinbar unendlich vielen ersten kundenbesuche bis ich alle einmal besucht und kennengelernt hatte. am ende dieser zeit konnte ich alle ein letztes mal besuchen und mich verabschieden, das fühlte sich nicht so zäh wie die ersten male an, denn ich freute mich auf das was vor mir liegen sollte. dazwischen bekam ich das glück, wunderbare kundenaufgaben zu begleiten und die vielfalt meines berufes auszukosten. es hatte sich gelohnt, die ersten male zu überstehen und die vorgänge mit dem eintauchen in meine komfortzone in sichere routinen zu verwandeln.

 

weine nicht, weil es vorbei ist, 

sondern weil es schön war. 

 

die letzten und die ersten male treffen mich nun auch selbst. am eigenen leib erfahre ich nun das ende meiner komfortzone und kann das ungewisse spüren. nachvollziehen warum die kids zögern und oft zaghaft sind. warum ihr selbstvertrauen nicht ausreicht, um voranzukommen. 

wer bin ich? wen lasse ich zurück?

was will ich? in welchem dazwischen werde ich mich wohl fühlen?

wo will ich hin? wo liegt das neue erste mal?

bei allem tun muss ich denken: war das schon das letzte mal?

 


wehmut stellt sich ein und bedrückung. eine bleiweste ist ständiger begleiter und drückt bei jeder bewegung, macht träge und bremst aus. darunter will ich aber noch rödeln und schaffen. will das dazwischen fühlen und noch nicht zulassen, dass die letzen male vor der türe stehen und laut anklopfen. 

 

ich bin wie zwei gummiräder, eins glücklich und eins traurig und sie rollen so schön zusammen. myfeldt@instagram

 

mit vollgas zum abschied. der erste kollege verlässt das team. es war vorauszusehen, dennoch bleib nicht genug zeit die letzten male auszukosten. meine taktik ist da oft das zusammentragen von alten bildern. sie sortieren für mich das, was mich verlässt und zeigt mir wie toll es gemeinsam war. ich beschäftige mich damit und gebe einen besonderen wert für den menschen und seinen platz in unserer mitte.

von den ersten und letzten malen sind wir umgeben bis ins hohe alter. wir sind gezwungen manche dinge abzugeben und müssen uns unterstützung holen. das kostet überwindung und die fähigkeit einzugestehen, dass es nicht unendlich so gehen kann wie gewohnt. selbstwirksamkeit beginnt kleiner zu werden, aber man darf das auch als chance sehen für sich. es wird anders aber deshalb kann es doch auch leichter, schöner oder besser werden. es bedarf nur einer sinnhaften suche nach der richtigen lösung. dann lässt sich das letzte mal gerne los und kann sich auf das erste mal freuen, weil es erleichterung bringen wird.

 

 

 "life is only a series of turns"


Mittwoch, 3. Juli 2024

zitronenschnitte - kleiner, süßer sommerkuchen

"denn was man mit voller freude tut, 

schmeckt wie kuchen gut" mary poppins

 

ein leckeres mitbringsel meiner mutter zur geburtstagseinladung sind aktuell die zitronenschnitten. ein herrlich erfrischendes kleingebäck - ich beobachte aktuell wie es die herzen unserer familienmitglieder und gäste erobert. nun bot sich neulich die gelegenheit, mich selbst im backen zu versuchen. das ergebnis war gut, deshalb möchte ich euch hier teilhaben lassen.

um den aufwand zu rechtfertigen, habe ich die doppelte menge gebacken. der kuchen lässt sich hervorragend einfrieren, so dass man mit einmaligem aufwand auch wochen später noch spontan etwas leckeres zur hand haben kann.

zutaten teig (einfache menge): 200g mehl, 100g zucker, 50g butter, 1 ei, 1/2 Päckchen Backpulver, 1 el saure sahne

und so geht´s: die küchenmaschine rührt alle zutaten zu einem geschmeidigen teig. diesen in 2 (bei doppelter menge 4) gleich große teile teilen und den ersten möglichst eckig ausrollen. auf einem blech bei 180°C hell aufbacken. je nach ofen dauert das ca. 8 minuten. noch warm in der hälfte durchschneiden, mit dem papier vorsichtig auf einen flachen untergrund ziehen. das gleiche mit der zweiten hälfte wiederholen (bei der doppelten menge insgesamt viermal).

zutaten füllung (einfache menge): 200ml milch, 2 el mehl, 1 el zucker, zitronenschale und saft einer zitrone, 125g zimmerwarme butter, 125g puderzucker

und so geht´s: mehl und zucker mit etwas milch verrühren. die restliche milch mit dem abrieb der zitrone zum kochen bringen, die mehlmischung mit einem schneebesen einrühren und aufkochen bis die creme eindickt. vom herd nehmen und den zitronensaft einrühren. wen die zitronenzesten stören, kann sie jetzt noch problemlos loswerden - einfach durch ein sieb durchstreichen. gründlich abkühlen lassen. 

pause und zeit für einen kaffee, tee,....

ist die zitronencreme vollends ausgekühlt, so schlägt man die zimmerwarme butter mit dem puderzucker hell auf. in kleinen portionen wird dann die zitronencreme untergerührt. fertig.

endspurt... die teigblätter sind ausgekühlt etwas steifer geworden und lassen sich prima mit einem langen flachen spatel handhaben. das erste blatt mit einem teil der creme bestreichen und das nächste blatt auflegen und leicht andrücken. dies wiederholen bis insgesamt 4 teigblätter übereinander geschichtet sind. die letzte teigplatte kommt mit der unterseite nach oben drauf. bei doppelter menge sind es nun zweimal vier schichten. 

zutaten zuckerguss (einfache menge): 75g puderzucker, 2-3 el zitronensaft

und so geht´s: zucker und saft verrühren bis die knötchen sich aufgelöst haben, auf das oberste teigblatt leeren und mit einem pinsel gleichmäßig verstreichen. zugedeckt im kühlschrank eine nacht ziehen lassen. mit einem scharfen messer kleine stücke in belieber form und größe schneiden. dabei das messer immer wieder unter heißem wasser säubern, somit bleiben die schichten an den schnittflächen besser erkennbar. 

 


durch die buttercreme muss der kuchen am besten im kühlschrank aufbewahrt werden oder im kühlen keller. die franzligen ränder kann man zur qualitätskontrolle schon mal abschneiden und probieren!

als kontrast dazu habe ich die ella kipferl gebacken und diese abwechselnd auf einen kleinen teller angerichtet. das rezept dazu findet ihr hier.



ich wünsche gutes gelingen und alsbald eine passende gelegenheit zum verzehr in netter runde.


Samstag, 4. Mai 2024

ich bin ich - that´s me

 

 

1* wenn ich etwas erzähle, hole ich meist weit aus. also vor 10 jahren, da hab ich mal... und blablabla... deshalb habe ich heute.... oft verliere ich zwischendrin den faden und weiß nicht mehr, was ich eigentlich erzählen wollte.

2* vor 10 jahren bin ich zum zweiten mal mama geworden. nun bestimmen die beiden mädels einen großteil meines lebens. mit ihnen, für sie oder einfach nur für mich bin ich kreativ.

3* 10 projekte gleichzeitig am laufen haben ist keine seltenheit bei mir. ich mache vieles so ein bisschen, aber wenig so richtig. einfach mal machen, könnte ja was werden, ist meine devise. 

4* den 10. geburtstag meines blogs hab ich ganz vergessen. damals habe ich ihn aus bewunderung für die vielen amerikanischen dekoblogs begonnen. er ist für mich wie ein kleines tagebuch und spiegelt in unregelmäßigen abständen meine seelenwelt wider.

5* 10 gedanken gleichzeitig im kopf, vieles bewegt mich, bringt mich zum grübeln und lässt mich nicht los. zum gedankensortieren nutze ich zum beispiel das wäsche aufhängen. da kommen mir die besten einsichten und ideen

6* ich habe noch alle 10 finger, und das obwohl ich manchmal ein wenig schusselig bin. 

7* die letzten 10 bilder in meinem instagram feed zeigen essen und blumen. ich mag gerne essen und liebe es klitzekleinen kleinigkeiten am wegesrand zu entdecken.

8* wenn es mehr als 10 fotos von mir gibt ist das viel. ich fotografiere viel und bin dadurch seltenst selbst auf fotos zu sehen. ich mag mich auf fotos nur gerne in gesellschaft sehen. 

9* vor 10 jahren war ich 36 jahre alt. habe die ausbildung zur schauwerbegestalterin im bereich mode gemacht. man kann mich aber auch visual merchandiser schimpfen. in meinen zeiten im aussendienst habe ich vieles gelernt, was mich nun prägt. diese zeit möchte ich nicht missen, ich erinnere mich gerne an die aufregenden eröffnungen, fotoshootings, facelifts und die besonderen menschen, die ich getroffen habe. nun bin ich wieder stationär in meinem früheren ausbildungsbetrieb und genieße dort das kreativsein

10* wie ich mich in 10 jahren sehe? mein größter wunsch: glücklich und zufrieden. 

und ihr so?