seit dem 1.1.25 sortiere ich mich.
die aufgabe: jeden tag etwas aussortieren, loslassen.
und
ich muss sagen, es gelingt mir richtig gut!
bücher, die auf dem stapel
zum weitergeben liegen und doch keinen neuen leser gefunden haben.
beim
verstauen der weihnachtsdeko gleich mal aussortiert, reicht für mehrere
tage.
und wenn das so erfüllend war sofort noch die ostersachen
hinterher.
das glas, das ich seit monaten im keller von links nach
rechts schiebe und noch für dies und jenes gebrauchen wollte - weg damit!
verpflichtungen, die mich einengen und womöglich einmal sinnhaftig
waren, nun aber überdacht gehören.
zugehörigkeit zu menschen, die einem nicht gut tun.
kontakte aus dem telefonbuch löschen.
diese
eine tasse, dieser teller, der so schön ist, aber noch nie in gebrauch
genommen wurde, weil doch immer etwas dagegen spricht.
viele dinge haben dieses jahr unser haus verlassen. wir haben ganz viel kindheit aussortiert und weitergegeben. platz und freiraum und leichtigkeit geschaffen. sogar unserem großen mädchen gelang es vieles loszulassen.
ich lasse - weg, los, zu. finde leichtigkeit.
was ich noch üben muss:
ängste loslassen und dahinter meinen mut finden.
wir haben ganz viel repariert, neu gemacht, umgedacht und verändert. die dinge am leben gehalten anstatt sie durch neue zu ersetzen. allerdings gehörte nicht alles ersetzt werden, weglassen oder anders machen war auch eine option.
ich hätte nicht gedacht, wohin das "lassen" im laufe des jahres noch führen würde....

…dann hab ich
endlich mal wieder zeit, den haushalt richtig in schuss zu halten. endlich wieder zeit, fenster zu putzen, gründlich staub zu
saugen - inklusive all der schlecht zugänglichen ecken.
endlich wieder zeit
ohne stress
ganz im augenblick
und voller konzentration für die aufgabe. so
hab ich mir das vorgestellt, als ich mitten im stressigen arbeitsleben
stand in der stressigsten zeit des jahres 2024. ein bisschen waren diese gedanken eine art entschuldigung fürs nicht schaffen, ein aufschieben
auf später, eine rechtfertigung fürs nicht erledigen. ein hoffnungsschimmer auf bessere zeiten.
erst musst du mal stehen bleiben,
damit du weißt in welche richtung du gehen sollst
dann hatte ich endlich wieder zeit den haushalt in schuss zu halten. aber die erfüllung war das nicht.
wie
oft sehnt man sich nach besseren zeiten, nach mehr glück, mehr geld,
mehr möglichkeiten. und dann sind die möglichkeiten verfügbar, aber man
nutzt sie nicht, weil sie sich doch nicht wie das gewünschte ziel anfühlen.
mein haushalt ist immer noch nicht picobello. aber ich hab da was viel schöneres geschafft.
wie findet ihr die kalenderkarten?
es ist nicht hart, es ist nur neuauf der suche nach einem job betrete ich für mich neue wege und erhalte neue perspektiven auf das schulleben. der anfang war schwer, das viele neue ließ mich zweifeln an meiner entscheidung. mit eigenen augen und gefühlen durchlebe ich nun, was meine mädels jeden tag in ihrer schule erleben. mein verständnis für sie wächst und wächst.
ich entdecke kleine rituale aus der grundschulzeit meiner mädels, wie z.b. die handschriftliche nachricht mit einer kleinen erinnerung an die besonderheit des tages. ich sehe nun wie viele glücksbringer und kuscheltiere die kinder hinter die klassenzimmertüren begleiten und sie stützen. wie sie aber auch raum geben für streitigkeiten und neider. ich erlebe wie anstrengend schule ist. obwohl ich mit dem resultat dieser anstrengung bei meinen mädels immer noch regelmäßig mit dem durchschreiten unserer haustüre sofort konfrontiert werde, sehe ich jetzt hautnah, wie sich das für eine ganze klasse anfühlt. in streitigkeiten, verweigerung, erschöpfung, körperlichem leiden, verknitterten gesichtern, lautstärke oder sprachlosigkeit. ich spüre, wie schwer es ist überhaupt anzufangen und wie sehr vorgegebene und angeordnete vorgaben schon ausbremsen. wie viel ermunterung und zuspruch es benötigt und wie kleine erfolgserlebnisse boostern. ich sehe wie die unterschiedlichsten inhalte aus den vesperdosen durchs klassenzimmer wandern - oder böse blicke, oder schrille schreie zum druckausgleich.
es ist unfair, dass kinder zuhause aufarbeiten müssen, was sie nicht verstanden haben. es ist unfair, dass es auf kosten der eltern-kind-beziehung geht. und noch unfairer, dass nicht jedes kind jemanden zuhause hat, der sich mit ihm hinsetzt zum lernen. es ist unfair, dass aufmerksamkeitsmagnete den blick von leisen kindern weglenken. aber wer kann für fairness sorgen? es ist unfair, dass der laute rabauke in die querulanten schublade geschoben wird, weil er nicht in der - nur für ihn - richtigen art und weise abgeholt wird. da sitzen noch mehr in der klasse, die ihrer eigene art und weise bedürfen. so viel augenhöhe kann aus einem einzigen lehrer gleichzeitig gar nicht herauskommen. und wenn man in dieselbe richtung schaut, wie die schüler und ihnen nicht frontal gegenüber gestellt ist, so höre ich ihre hilferufe. ich höre ihren wunsch nach gesehen werden. ihre sehnsucht nach einem lehrer, der sich kümmern kann und sieht was es braucht zum lernen. überstülpter wissensdrang - mit lauter und lachender überforderung, mit gewalt und mit schimpfwörtern.

ich habe gelernt, dass es einen unterschied gibt zwischen dem was man sieht und dem was man nicht sieht. dass das nicht gesagte meist wichtiger ist als das gesagte.
die schulwochen werden zu wettkämpfen. wir hangeln uns von ferien zu ferien,
sind aus dem rhythmus geraten. wir können geschichten erzählen von
überforderung, unmut, erschöpfung und verzweiflung, von
neuorientierung,
miteinander klarkommen, einschätzen vieler neuer lehrer, beschnuppern neuer räumlichkeiten, sich aneinander gewöhnen….stellung
beziehen, neue freunde finden, oder abstand zu halten und all das neben
dem eigentlichen lernen. eine meisterleistung!
kinder wollen nicht im mittelpunkt stehen, sondern stehen im wettbewerb um anerkennung und zugehörigkeit. wollen eine position erreichen, festigen oder verteidigen. egal ob im mittelfeld, bei den anführern oder als schlusslicht, sie tragen kämpfe aus: offen oder still im innern, unsichtbar und unausgesprochen. da gilt es zu begleiten, zu moderieren und auszuhalten. im schlimmsten fall seine grenzen zu setzen mit abstand und dem wissen, wann man sich aus den kämpfen herauszunehmen hat.
mitten unter ihnen merke ich, wie viel einfach nur dasein bewirken kann. in ihren reihen wird so wenig von mir erwartet und doch erzielt so wenig so viel größeres. ein kleines lächeln, ein munteres zunicken, ein aufmunterndes augenzwinkern, ein halte-durch-drückerle, wertschätzende aufmerksamkeit. ich bin froh, so eine wertvolle arbeit gefunden zu haben.
die worte mögen nur geliehen sein,
doch was sie bedeuten, gehört uns dreivierworte@instagram
wir haben viel gemacht, aber auch viel nichts gemacht.
sind
gewandert bis uns die fußsohlen wehgetan haben. wir sind ganz viele
schritte gegangen,
abertausende nach vorne,
manche im kreis,
ein paar
auch zurück.

viele schritte sind für mich viele worte, bisher
waren unsere ausflüge voller worte, die mir zuflogen. erkenntnisse,
gedanken, schöne formulierungen, die mir im gehen begegneten. viele
dieser worte konnte ich zusammenfügen zu texten, instagram-posts. dieses
jahr waren sie aber so persönlich, dass ich sie meist nicht
veröffentlicht habe oder sie ihrer brisanz wegen verworfen habe.
stotterige texte und kurze fragmente konnte ich nicht verständlich
aneinanderreihen.
ich war den worten nicht mächtig. nicht mal mehr lesen habe ich geschafft. hatte ich bisher viele bücher verschlungen, so setzte mitte des jahres eine krasse flaute ein. ich konnte die worte nicht mehr bewältigen. es waren deren zu viele oder zu wenige, zu gewaltig oder zu profan - ich bin noch nicht dahinter gekommen.

die weite des himmels zog mich besonders an. viele himmelsbilder habe ich gesammelt. hab noch nie so viele sonnenaufgänge erlebt. bin aber auch noch nie durch so viele sonnenaufgänge geeilt. schönheit per express. aufsaugen - ich muss weiter.
ich hänge in den jahreszeiten hinterher. der frühling kann nicht schnell genug kommen, der sommer ist zu uneindeutig - dabei ist er wettermäßig ein durchschnittlicher sommer gewesen.
jeder unserer ausflüge hat einen punkt, der besonders in erinnerung bleibt.
ein ereignis beim unterwegs sein,
ein besonderer ort,
liebe mitwanderer.
ein herrlicher frühlingstag
eine lustige truppe
und ganz viele bäume
im
arboretum in grafenberg kamen wir alle aus dem wundern und beeindruckt
sein nicht raus. egal ob zapfensammler, baumumarmer, grössenbestauner,
rinden- und blattstreichler, kienspansucher, baumartenkenner,
baumartenrater oder geräuschekünstlerin.
eins ist klar: im herbst gibts hier ein wiedersehen.


gestern:
kuhkleckse auf saftig grünen weiden
löwenzahnmeere,
fohlen toben ausgelassen auf der wiese, die störche sind wieder auf den
strommastnestern eingezogen, die alpen zeigen sich als letzte ebene in
den landschaftsschichten in der ferne. die sonne leuchtet alles gutmütig
aus und es entstehen kitschige postkartenmotive in einem fort. wenn es
sich nicht vor meinen augen abspielte, würde ich denken es sei nur
künstlich zusammengefügt.
wir fahren viel durch ländliche gegenden,
fern von den breiten autobahnen. hautnah vorbei an stattlichen gehöften,
niedlichen häusern mit blühendem bäumchen in den vorgärten. der genfer
see glitzert mit den schneefeldern auf den bergen um die wette.
heute:
grau
in grau, mal ist die landschaft von jetzt auf gleich im nebel
verschwunden und kurz darauf öffnet sich der blick auf unsere hausberge.
in jedes grau lässt sich ein wenig buntes leben dazwischenschieben -
oder einfach ein gemütliches.
die ferien
sind vorbei. zwei wochen gefüllt mit erlebnissen aus drei jahreszeiten.
wir wechselten die kleidung und unsere vorhaben ganz nach lust und laune
des wetters. unser urlaub war selten so gemixt. von der skipiste in den
jacuzzi und der duft vom bauernhof in der nase. steile berge erklimmen
zu einem wasserfall und durch einen ronja-räubertochter-wald wieder
hinunter. übernachtungsparty, shoppingtour in die großstadt,
baustellenbesichtigung stuttgart21, viel gegessen, viel gefaulenzt.
aufgetankt und darüber hinaus begierig auf die erlebnisse des neuen
alltags.
wie es ist,
in den tag hineinzuschauen und grob zu sehen, was man damit anfangen
kann und dann das ziel einzufädeln zwischen all den dingen, die einem
auf dem weg und in der zeit bis dahin und auch danach noch so
überfallen. glücklichkeiten, denkenswertes, langweiliges oder
beschäftigendes.
wie es ist, sich nicht mitreißen zu lassen von der geschwindigkeit, die normalerweise daheim den fluss der zeit vorantreibt.
in
unsere tage passten vom abend her betrachtet unendlich viele dinge
hinein. und doch war in der dämmerung so viel übrig, was man heute
unbedingt noch tun müsste und den lieben langen tag verpasst hatte und
uns erst jetzt am abend in den sinn gekommen war.
am nächsten tag
ließen wir uns treiben und reihten weiter erlebnisse wie an einer schnur
aneinander, die abends immer noch so viel platz zum aufreihen hatte.
es war ein
mittelmäßiger sommer, die wetterextreme spielten sich im schlechteren
bereich ab und die sommergarderobe kam nicht ausreichend zum einsatz.
und
trotzdem schafften wir es barfuß zur oma, sind getingelt im garten,
haben wir ein kurzfristig organisiertes hoffest gefeiert, wir waren im
freibad, sind in die meisten tage ganz entspannt gestartet. haben den
mond am himmel in seiner verwandlung beobachten dürfen, sind viele
schritte gewandert und haben einige mahlzeiten am lagerfeuer
zubereitet.
mit einem gefühl, dass das noch lange nicht genug gewesen ist, starten wir ins neue schuljahr.
komme, was mag - wir werden es bewältigen.
beflügelt
von meiner lektüre konnte ich noch viele meiner gedanken in worte
fassen. doch auf einen schlag schaffte ich es nicht mehr mich auf die
geschichten einzulassen.
das gefühl vom entgleiten der dinge. dass man selbst
nicht ausschließlich einfluss auf die entwicklung der dinge nehmen kann.
definiere dich nicht durch das was du verloren hast,
sondern durch das was dir geblieben ist.
neue starke gefühle müssen wir zulassen und bewältigen - mal wieder
jeder auf seine ureigenste art und weise. es passt nicht in genügend worte das leben von über 70 jahren abzuwickeln. mal laut, mal leise, jeder von
uns in seiner eigenen zeit, stärke und geschwindigkeit.
nicht vergessen - sondern allzeit
präsent: beim melone raussuchen, bei der gartenarbeit weitergegebenes wissen
anwenden, oft wehmütig erinnernd und plötzlich voller wucht in trauer. auf der suche nach den hinterlassenen spuren und geheimen zeichen. umgeben.

weitere geschichten gegen das vergessen durfte ich im rahmen einer ausstellung zum heimattreffen der donauschwaben mit in form bringen. dabei konnte ich endlich viele der gesammelten dinge aus meiner zeit als dekorateurin zu neuem leben verhelfen. wahre schätze sind dabei zusammengekommen und die dimension meiner eigenen erinnerungen hat sich ein weiteres mal verändert.
decorating time
das bild von der dekorierten zeit habe ich sehr gerne zu mir genommen. es beschreibt die glücklichen auszeiten, die konzerte mit meinem liebsten losgelöst und teilweise geflüchtet aus dem zehrenden alltag. ich mag diese art von quality time sehr.
zwischenzeitlich hatte ich meine farbe verloren. ausgelaugt, nicht mehr am leuchten,
weil ich nicht auffallen wollte, im hintergrund stehen wollte zum
beobachten. damit ich unverfälschtes verhalten sehen kann, emotionen und
gefühle lesen kann.
weil ich mich neu positionieren musste.
weil ich kein statement mehr hatte zum transportieren.
weil
mir der modekontext gefehlt hatte und ich darin selbst mit meiner farbe
unter den anderen bunten menschen nicht besonders auffiel.
weil mir der elan gefehlt hatte, meine farben abzustimmen.
weil ich zeitweise daraus herausgewachsen war.
weil es mir nicht mehr wichtig war, wie ich aussehe.


zuhause
jede nuance zwischen laut und leise,
langeweile und action,
zwischen ich bin gerne hier und ich muss mal raus hier.
zwischen genug und zu viel.
zuhause
so viele nuancen, aber immer mit ganz viel herz
an jedem einzelnen tag!
„es ist nicht
meine aufgabe, dass meine kinder immer glücklich sind. es ist meine
aufgabe alle gefühle mit ihnen auszuhalten, die sie haben“.
manche
geschichten, behauptete ich, können uns nicht passieren, da sind wir
sehr weit von entfernt! - denkste, puppe... every generation has its own
desease...
wir sind gewachsen, alle miteinander und jeder für sich. jeder hatte
seine baustellen und hat diese mit den vorhandenen ressourcen
bearbeitet. es gab zeiten der verzweiflung, der rückschritte, work in progress...

meine eigene kreativität kam dieses jahr gefühlt zu kurz. im rückblick ist aber doch viel schönes zusammen gekommen. im frühjahr eine umgesetzte foto-idee, die ich dieses jahr in seiner ursprünglichen weise umsetzen möchte.
der kalender und kleine malversuche mit acrylfarben.
und zum jahresende mein digitaler adventskalender.
das fazit: einfach mal machen. die zufriedenheit stellt sich dann schon ein.
für das kommende jahr wünsche ich mir nicht zu viel und nicht zu wenig. bitte mehr mittelmaß. ich wünche mir mehr gelassenheit, meinen alten weitblick.
in welche richtung darf ich schauen?
walking into 2026
with gratitude for what stayed, lessons from what changed and hope for everything ahead
ich schaue mit nach vorne, bin kein gegenüber, sondern
ein miteinander. mein rucksack ist gepackt.